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Dein unsichtbarer Beziehungsvertrag

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Dein unsichtbarer Beziehungsvertrag

Der unsichtbare Beziehungsvertrag

Was wir uns nie versprochen haben – und woran wir uns trotzdem halten.

Lisa und Martin kamen über eine Empfehlung zu mir. Beide gut ausgebildet, zwei Kinder, ein Haus. Auf den ersten Blick ein Paar, das alles richtig macht.

Sie sahen einander an, hörten einander zu, selbst bei schwierigen Themen. Erst nach einer Weile sagte Lisa leise: „Wir leben wie Geschwister. Der Alltag funktioniert. Aber ich spüre unsere Beziehung nicht mehr.“

Was war passiert?

Ein Vertrag, den niemand unterschrieben hat

Wir wissen heute: Paare schließen zu Beginn ihrer Beziehung meist unbewusst einen inneren Vertrag. Durch ihr Verhalten, ihre Worte, ihr Schweigen und das, was sie tun und lassen, einigen sie sich auf eine Form des Miteinanders. Wer zahlt im Restaurant? Wie wird gestritten? Wie viel Nähe ist normal?

Manche dieser Regeln sind willkommen. Andere werden stillschweigend hingenommen, in der leisen Hoffnung, sie würden sich irgendwann ändern. Am Ende wird daraus ein stiller Vertrag: „In dieser Beziehung machen wir das so.“

Lisa und Martin hatten diesen Vertrag in ihren frühen Dreißigern geschlossen – geprägt von ihren Werten, ihrer Herkunftsfamilie, ihrer eigenen Beziehungserfahrung als Kinder.

Wenn sich das Leben ändert, der Vertrag aber nicht

Dann kam die Hochzeit, ein Kind, ein Umzug. Lisa wurde Mutter, Martin Hauptverdiener. Ihre Rollen veränderten sich radikal. Der Vertrag, den sie einst geschlossen hatten, blieb unangetastet.

Genau hier entsteht die Schieflage: Die Bedürfnisse verändern sich, die Verhaltensweisen nicht. Es kommt zu Missverständnissen nach dem Motto „Das muss er doch wissen!“ – dabei weiß niemand, wie sich die neue Rolle für den anderen anfühlt.

Aus Konflikten wird Rückzug. Aus Rückzug wird Schweigen. Und irgendwann fühlt es sich an, als lebe man nur noch nebeneinander her.

Der Vertrag darf neu verhandelt werden

Das Gute daran: Ein Vertrag, der unbewusst entstanden ist, kann auch bewusst neu geschrieben werden. Der erste Schritt ist, ihn überhaupt zu sehen. Zu fragen: Was haben wir eigentlich miteinander vereinbart – ohne je darüber gesprochen zu haben?

Wie habe ich mir unsere Beziehung vorgestellt, als sie begann?
Was wünsche ich mir insgeheim, spreche es aber nicht aus?
Welche Regel unserer Beziehung stammt aus einer Zeit, die es gar nicht mehr gibt?

Manchmal beginnt Nähe genau dort: In der Ehrlichkeit, den alten Vertrag zu erkennen – und einen neuen zu wagen.


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Andreas Zerweck
E-Mail: info@liebewachsen.de
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