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Deine Lösung ist mein Problem

Wenn Streit nur noch eskaliert

Deine Lösung ist mein Problem

Wenn Streit nur noch eskaliert

Andreas Zerweck
E-Mail: info@liebewachsen.de
Telefon +49 172 765 09 51
📌 Raum Stuttgart & Online

Deine Lösung ist mein Problem

Deine Lösung ist
mein Problem

Wenn Streit nur noch eskaliert

Wenn Streit nur
noch eskaliert

Liebewachsen - Verschränktes Trauma

Wenn zwei Menschen sich gegenseitig triggern. Und warum das kein Zufall ist

Es gibt Paare, bei denen scheinbar dasselbe Gespräch immer wieder passiert. Anderes Thema, gleiche Energie. Die einen nennen es „wir drehen uns im Kreis". Die anderen sagen: „Wir kommen da nicht raus." Und manchmal landen sie in meiner Beratung mit dem erschöpften Satz: „Ich verstehe nicht, wie das jedes Mal wieder so eskaliert." Im schlimmsten Fall ist Gewalt der Punkt an dem die beiden dann bei mir sitzen.

Der Tantralehrer Saleem Matthias Riek hat dieses Phänomen einmal auf den Punkt gebracht. Er nannte es:


„Deine Lösung ist mein Problem."


Ich finde diese Formulierung präziser als viele Fachbegriffe. Sie beschreibt etwas, das ich in meiner Arbeit mit Paaren regelmäßig erlebe, und das, wenn man es einmal sieht, eine ganze Beziehungsdynamik verständlich macht.

Was ich in der Beratung erlebe:

Stell dir zwei Menschen vor. Beide wollen dasselbe: sie wollen sich sicher fühlen. Verbunden. Sie wollen geliebt werden. Sie wollen, dass die Beziehung hält.

Und doch: Sobald Spannung entsteht, reagieren sie mit einer eindrucksvollen Eskalationsspirale. Streit, Vorwürfe, Beleidigungen.

Der eine braucht Nähe. Er oder sie will reden, klären, sich versichern, dass alles gut ist. Nur dann kann sich der innere Alarm beruhigen. Dann kann Ruhe ein kehren. Doch das Schweigen des Partners fühlt sich an wie Verlassenwerden.

Der andere braucht Raum. Er oder sie zieht sich zurück, um sich zu sammeln, um nicht zu explodieren, um die Beziehung vor weiteren Wunden zu schützen. Der Rückzug fühlt sich von innen nach Fürsorge an.

Was dann passiert:

Der eine drängt mehr, weil der andere schweigt. "Los, rede mit mir". "Wir müssen jetzt reden und das klären". "Los, jetzt, schnell !"


Der andere zieht sich mehr zurück, weil der eine drängt. "Oh nein, nicht schon wieder Streit, ich ziehe mich zurück dann beruhigt sich alles. Wir brauchen mehr Raum zwischen uns dann fühle ich mich sicher und ruhig".

Beide sind überzeugt: Der andere ist das Problem.

Keine der beiden Reaktionen ist falsch. Keine ist böswillig. Beide entstammen einer tiefen inneren Logik — einer Logik, die sich irgendwann, in einem anderen Leben, bewährt hat. Vielleicht in der Kindheit. Vielleicht in früheren Beziehungen. Das Nervensystem hat gelernt: So überlebst du das hier.

Das Problem ist: Diese Strategien passen nicht zusammen. Sie verstärken sich gegenseitig. Die Lösung des einen ist der Trigger des anderen und zurück.

Erkennst du dich in einem dieser Muster?

Vielleicht bist du derjenige, der drängt. Der nicht loslassen kann, bis Klarheit da ist. Der überzeugt ist: Konflikte müssen sofort geklärt sein. Wir müssen nur reden, dann löst sich der Konflikt von alleine auf. Der spürt, wie die Angst größer wird, wenn der andere sich abwendet, auch wenn es nur kurz ist.

Oder du bist derjenige, der Raum braucht. Der in Momenten der Intensität innerlich kleiner wird. Der lieber schweigt, als etwas Falsches zu sagen. Der sich fragt, warum sein Partner das nicht versteht. Und der Klarheit im Rückzug findet, draußen, oder weit weg, wo es ruhig ist.

Beides sind keine Charakterschwächen. Beides sind Bindungsmuster — tief in deinem Nervensystem verankert, lange bevor du diese Beziehung begonnen hast.

Was sich anfühlt wie „wir passen nicht zusammen", ist oft etwas anderes:


Wir triggern uns gegenseitig auf eine Art, die uns zeigt,
wo wir noch wachsen dürfen.


Die Psychologie — insbesondere die Bindungsforschung und die Emotionsfokussierte Therapie (EFT) nach Sue Johnson — hat dieses Muster sehr gut beschrieben. Es wird das Verfolger-Distanzierer-Muster genannt.

Was daran wichtig ist: Es ist kein Zeichen von Unvereinbarkeit. Es ist das häufigste Muster, das Paare in die Beratung bringt. Und es ist auflösbar. Aber nicht durch bessere Argumente im Streit. In meiner Sicht nicht mal durch Sprache.

Denn solange beide im Alarmmodus sind, ist echter Kontakt nicht möglich. Das Gehirn schaltet in Schutzmodus, der Zugang zu Empathie, zu Logik, zu Verstehen ist begrenzt. Wer in diesem Zustand versucht, das Gespräch zu führen, spricht zu jemandem, dessen inneres Kind gerade alles gibt, um zu überleben.

Das ist keine Metapher. Das ist Neurobiologie.

Drei Schritte, die helfen können:


1. Den Kreislauf sehen — nicht den anderen

Der erste und wichtigste Schritt ist ein Perspektivwechsel: Das Problem ist nicht dein Partner. Das Problem ist der Kreislauf, in den ihr beide geratet.

Wenn ihr lernt, den Tanz zu benennen „Wir sind gerade wieder in unserem Muster" statt einander anzuklagen, entsteht ein Drittes: etwas, das keinem von euch gehört, aber beide betrifft. Das nimmt Druck raus.

2. Regulation vor Gespräch

Kein Gespräch über das eigentliche Thema, solange das Nervensystem im Alarm ist. Das klingt einfach. Es ist es nicht — denn gerade dann drängt alles in uns darauf, jetzt zu klären.

Eine Vereinbarung kann helfen: eine Auszeit, die beide als Fürsorge verstehen. Nicht als Rückzug, sondern als Pause mit Rückkehrabsicht. „Ich brauche 20 Minuten. Ich komme zurück."

3. Die Sprache unter der Reaktion finden

Hinter Wut steckt fast immer Angst. Hinter Schweigen steckt fast immer Überwältigung.

Wenn es gelingt, das zu sagen: „Ich werde laut, weil ich Angst habe, dass du weg bist" oder „Ich ziehe mich zurück, weil ich dich nicht verletzen will" verändert sich der Raum. Denn auf Angst und Sehnsucht kann ein Mensch reagieren. Auf Anklage und Schweigen viel schwerer.

Einladung

Wenn ihr euch in diesem Muster erkennt: Es ist kein Zeichen, dass eure Beziehung gescheitert ist. Es ist ein Zeichen, dass beide von euch etwas mitbringt, das gesehen werden möchte.

Die Frage ist nicht: Wer hat recht?

Die Frage ist: Was braucht jeder von uns wirklich — und wie können wir lernen, das dem anderen zu zeigen, ohne den anderen damit zu triggern?

Das ist Arbeit. Manchmal braucht es Begleitung dabei.

Wenn ihr das Gespräch sucht — ich bin da.



Andreas Zerweck ist Paarberater und Autor. Er begleitet Paare dabei, ihre Beziehung bewusst zu gestalten — mit mehr Tiefe, mehr Nähe, mehr Wir.

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