Die Wahl unserer Beziehungsform war über viele Jahre gesellschaftlich geprägt.
Von der Notwendigkeit ein sozial akzeptiertes Leben zu leben.
Von Normen der Gesellschaft.
Von Ängsten wie Einsamkeit oder Unvollkommenheit.
Die Ehe kam ursprünglich aus einer Zweckgemeinschaft zur Wahrung von Besitz, zur Absicherung von sozialem Status, oder schlicht zur Absicherung des Überlebens. Ehen wurden bis ins Mittelalter arrangiert um Existenzen abzusichern, Frieden und Überleben zu gewährleisten. Die Liebes-Ehe wie wir sie heute (vermeintlich) kennen, gibt es erst seit der Neuzeit.
Plötzlich sollte die Ehe alles abdecken, was wir uns im Leben wünschen. Liebe, Sexualität, Sicherheit, Sinn, Entwicklung. Dies ist mehr als eine Anhäufung von Wünschen, es ist eine Überforderung dieses Beziehungssystems. Die Folge sind die stetig hohen Scheidungszahlen, in Verbindung mit der hohen Dunkelziffer an erduldeten Ehen. Akzeptiertes WG-Leben als Beziehungsform, Elternschaft als Beziehungsform und weitere reduzierte Beziehungsmöglichkeiten ersetzen die Liebes-Ehe.
Für mich gibt es in der Paarberatung keine Kritik an einer WG-ähnlichen Ehe. Auch nicht an einer reinen Elternschaft. Wenn sich ein älteres Paar einig ist zusammen zu leben, um nicht einsam zu sein - warum nicht.
Wenn sich ein Paar einig ist respektvoll zusammen zu bleiben bis die Kinder erwachsen sind - warum nicht.
Wenn sich ein Paar einig ist ohne Sexualität zusammen zu leben - warum nicht.
Wichtig dabei ist, dass sich das Paar über diese Lebenssituation bewusst ist. Und dass es einen Konsens hierüber gibt. Dann können diese Modell konfliktfrei und erfüllend gelebt werden.
